30. November 2017

Vormodernität im digitalen Zeitalter - Über das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Gestern lief im SWR eine Sendung zum Thema „Brauchen wir öffentlich-rechtliches Fernsehen?“. Neben Politikern, SWR-Intendant und -Justiziar waren auch interessierte Bürger dabei – ich kam nur drauf, weil auch Blogger Torsten Dewi eingeladen war. 

Die Sendung war als eine Art "Townhall-Meeting" konzipiert und ließ sich auch ganz unterhaltsam an. Doch obwohl unter anderem über das Fernsehprogramm geredet wurde, waren weder TV-Journalisten, noch Regisseure anwesend. Ist das nicht verrückt? Wir reden übers Fernsehen und kein Fernsehmacher ist dabei? Das ist in etwa so, als gäbe es einen Eishockey-Talk und neben dem DEB-Präsidenten und seinem Justiziar wären noch Anton Hofreiter und Frauke Petry am diskutieren. 
Das ist Deutschland.
Funktionäre, Bürokraten und Politik haben das Sagen bei ARD und ZDF und ungefähr so sieht auch das Fernsehprogramm aus.

Willkommen bei den Öffentlich-Rechtlichen.

5. November 2017

Der Kapitalismus und Griechenland

Nach 1990 kämpfte Deutschland mit den Kosten der Wiedervereinigung. Eine Mammutaufgabe. Deshalb brach das wirtschaftlich starke Land die EU-Stabilitätskriterien. Im selben Zeitraum machte sich das wirtschaftlich schwache Griechenland fit für den Eintritt in die Euro-Zone. Das war für das hoch verschuldete System, bei dem die oberen Klassen des Landes den Staat traditionell als Selbstbedienungsladen verstehen und seit 30 Jahren den Abbau der Staatsquote betreiben, ebenfalls eine Mammutaufgabe. Die dann folgende griechische Tragödie ist eine der traurigsten Geschichten des Kapitalismus. Sie untergrub nachhaltig den Glauben an die EU und den Glauben an einstmals gute ökonomische Innovationen. Es ist auch die Geschichte einer Krankheit der westlichen Geisteskultur.